Persönlichkeitsarbeit führt zu innerem Frieden


Die Graduationsfeier hat einen sicheren Container gebildet: Alle Teilnehmer waren tief berührt und machten hier positive Experimente im Umgang mit sich selbst.

Tiefe Einblicke in persönliche Themen und Gefühle haben knapp 30 Teilnehmer einer Graduationsfeier für drei frisch initiierte Männer des deutschsprachigen ManKind Project und sechs Frauen von Woman Within am Sonntag (07.10.) in Stuttgart gegeben. Die dreistündige Feier moderierten MKP-Vorstand Terje Lange (Stuttgart) und Woman Within Vorstandsmitglied Nadja Sudahl  (Neckarsulm) im Beisein mehrerer Kinder.
Das Highlight des Nachmittags war die bei Woman Within in England initiierte Tochter eines MKP-Mannes, der sein Training zuvor 2012 absolviert hatte. Das 24-jährige Scheidungskind ehrte seine 2017 im bundesweit ersten Frauentraining initiierte Mutter. Mit im Saal: Die heutige Ehefrau des MKP-Mannes und deren gemeinsamer zweijähriger Sohn, den die Halbschwester während der Ehrung auf dem Arm trug. „Besser kann unsere Arbeit nicht belegen, zu wie viel Frieden und Versöhnung sie führt, wenn wir sie machen,“ meinte dazu einTeilnehmer.    
Bis aus Hamburg, Istanbul oder Zürich waren Gäste angereist, um die Rückkehrer der Trainings mit ihren Angehörigen zu ehren und die emotional dichte Atmosphäre mitzuerleben. Seitens der Frauen wurden initiierte Frauen geehrt, die die ersten beiden Trainings 2017 und 2018 in Deutschland besucht und erstmals in ihrer Muttersprache absolviert hatten. Die ausgebuchten Trainings belegten: Auch die Frauenbewegung gewinnt in Deutschland an Dynamik und Bewegung, nicht zuletzt dank vieler Empfehlungen von MKP-Männern an ihre Partnerinnen, Schwestern oder Töchter, das Training zu besuchen.
Schon das Räuchern der Eintretenden mit Salbeisticks belegte die große Ernsthaftigkeit, mit der sich die Gäste auf die meist ungewohnten Rituale und Prozesse einließen. Jeder der neun Initianten erzählte kurz im Kreis, wie es ihm auf dem Training erging und was sich seither in seinem Leben verändert hat. Ebenso spannend für die Zuhörer war eine zweite Runde, in der die Angehörigen berichteten, wie sie die Rückkehrer erlebten.
Etliche Stabsmitglieder, also Menschen die die „Neuen“ auf ihren Trainings begleitet hatten,  ergriffen das Wort, darunter der 80-jährige Manfred Lange, um ihrerseits zu schildern, weshalb sie ihre Freizeit gerne darauf verwenden, bei den Trainings den Initianten zu dienen. „Ich will die Fackel der Liebe weitergeben, die mich entzündet hat“, war ein Statement, „die Welt nicht den Zynikern und Spöttern überlassen“, ein anderes. Auch flossen viele Tränen der Trauer, der Dankbarkeit und der Freude, ohne dass nur eine Situation peinlich angemutet hätte.
Letztlich ist es diese Atmosphäre der Echtheit, die initiierte Männer und Frauen jederzeit und überall erzeugen können, die die Gäste faszinierte und beeindruckte. „Ich hätte niemals gedacht, dass ich mich fremden Menschen in so kurzer Zeit so weit öffnen würde,“ meint eine 43-Jährige. Und ein 57-jähriger Unternehmer sagt: „Ich glaube, es wird Zeit, dass ich dieses Training auch mache.“
Wieder einmal belegte die Graduationsfeier, die bei mitgebrachten Speisen am Abend im Degerlocher Jugendhaus ausklang, dass MKP und Woman Within Räume kreieren, in denen Menschen über ihren Schatten springen, Experimente mit sich selbst machen – und an dieser Erfahrung wachsen. So meinte eine junge Frau: „Mich in die Mitte stellen und frei sprechen, geht eigentlich gar nicht.“ Und ein Mann analysiert: „Beim Kommen hätte ich nicht gedacht, dass ich mich so sehr auf das hier einlassen kann und es auch noch wunderschön finde.

Bild und Text: Leo Fromm, Schorndorf